Ich leite meine Runden seit Jahren über Foundry VTT – Dungeons & Dragons, Call of Cthulhu und einiges dazwischen. Foundry ist für mich das beste virtuelle Tabletop, das es gerade gibt. Aber „das beste“ heißt nicht „das richtige für jeden“. Deshalb hier keine Werbebroschüre, sondern eine ehrliche Bilanz aus der Praxis: Wo Foundry glänzt – und wo es dich Nerven kostet.
Kurz vorweg: Was ist Foundry VTT?
Foundry ist eine Software, mit der du deine Rollenspielrunden online leitest: Karten, Token, Charakterbögen, Würfel, Beleuchtung, Musik – alles in einem Browserfenster. Anders als die meisten Konkurrenten läuft Foundry auf einem Server, den du betreibst (oder betreiben lässt), und wird einmalig gekauft statt monatlich abonniert. Genau diese zwei Punkte prägen fast alle Stärken und Schwächen, die jetzt kommen.
Die Stärken
Einmalkauf statt Abo. Foundry kostet einmalig rund 50 US-Dollar – und zwar nur für dich als Spielleiter. Deine Mitspieler brauchen kein eigenes Konto und zahlen nichts. Wer von Roll20s Abo-Modell kommt, merkt schnell, wie viel Geld sich das über die Jahre spart.
Volle Kontrolle über deine Daten und Inhalte. Weil Foundry auf deinem eigenen Server läuft, gehören deine Welten, Karten und Assets wirklich dir. Kein Anbieter kann dir Inhalte sperren, Preise erhöhen oder den Dienst einstellen und deine Kampagne mitnehmen. Für mich ist diese Datenhoheit einer der größten Pluspunkte überhaupt.
Automation, die den Tisch entlastet. Dynamische Beleuchtung und Fog of War sind großartig und funktionieren erstaunlich intuitiv. Dazu kommen automatisierte Effekte, Zustände und Makros, die dir im Kampf jede Menge Klickarbeit abnehmen. Einmal eingerichtet, läuft eine Session spürbar flüssiger.
Ein riesiges Modul-Ökosystem. Für praktisch jeden Wunsch gibt es ein Modul – von Loot-Verwaltung über Kalender bis zu kompletten Regel-Erweiterungen. Die Community ist aktiv, hilfsbereit und produziert ununterbrochen neue Werkzeuge.
Systemvielfalt. Ob D&D 5e, Call of Cthulhu, Savage Worlds oder Nischensysteme – Foundry unterstützt eine enorme Bandbreite. Ich habe darüber schon von D&D bis zu ziemlich abwegigen Systemen alles geleitet, und fast immer gab es eine solide Umsetzung.
Die Schwächen
Die Lernkurve ist steil. Foundry ist mächtig – und diese Mächtigkeit muss man sich erarbeiten. Die ersten Stunden können überwältigend sein: Welten, Szenen, Module, Berechtigungen, Beleuchtung. Wer nur schnell mal eine spontane Runde aufziehen will, ist mit einem schlankeren Tool anfangs besser bedient.
Selbst hosten heißt: Technik. Der große Vorteil – dein eigener Server – ist zugleich die größte Hürde. Wer Foundry selbst hostet, kommt um ein Minimum an technischem Verständnis nicht herum. Es gibt bequeme Hosting-Dienste, die dir das abnehmen, aber die kosten dann wieder monatlich – und heben damit den „Einmalkauf“-Vorteil teilweise auf.
Module sind Segen und Fluch. So nützlich Module sind, so sehr machst du dich von ihnen abhängig. Der Klassiker: Der große jährliche Versionssprung kommt heraus, und die Hälfte deiner Module ist erst mal nicht kompatibel. Wer viele Module stapelt, sollte Updates nie blind mitten in einer laufenden Kampagne einspielen.
Es kann überladen werden. Genau weil so viel möglich ist, verzettelt man sich leicht. Zwanzig Module, drei Automations-Ebenen, und plötzlich verbringst du mehr Zeit mit dem Basteln als mit dem Leiten. Weniger ist bei Foundry oft mehr.
Nichts für den absoluten Spontan-Einstieg. Wenn Freunde in zehn Minuten loslegen wollen und niemand vorbereiten mag, ist Foundry der falsche Ort. Dafür gibt es leichtgewichtigere Werkzeuge.
Für wen lohnt sich Foundry?
Foundry ist die richtige Wahl, wenn du regelmäßig und längerfristig leitest, Wert auf Kontrolle und einmalige Kosten legst und bereit bist, dich einzuarbeiten. Der anfängliche Aufwand zahlt sich über eine ganze Kampagne um ein Vielfaches aus.
Wenn du dagegen nur gelegentlich spielst, Technik meiden willst oder maximale Spontaneität brauchst, sind schlankere Alternativen wie Owlbear Rodeo einen Blick wert – auch darüber schreibe ich hier noch.
Mein Fazit nach Jahren mit Foundry: Es verlangt am Anfang mehr, als es zurückgibt – und dreht dieses Verhältnis dann dauerhaft um. Genau deshalb ist und bleibt es mein Werkzeug der Wahl.